Am Treffpunkt – Kultur- und Geschichtserbe

Von Wegen, die schon vor der Ortsentstehung durch das Gebiet von Dravograd verliefen, zeugen römische Funde in der Umgebung von Dravograd, unter ihnen die Grabgedenktafel mit eingemeißelter römischer Inschrift vom Friedhof in Šentjanž. Viele Jahrtausende zuvor weilte hier der paläolithische Jäger, fand man doch in Trbonje eine platte Steinaxt aus dem Jungpaläolithikum. Dravograd beginnt in schriftlichen Quellen in der Mitte des 12. Jahrhunderts als Traberch aufzutreten. In strategischer Verkehrslage - wo die Drava das Salzburger Erzbistum in Norden und das Aquillea-Patriarchat im Süden voneinander abgrenzte – baute die Adelsfamilie Trušenjski auf dem Hügel über der Einmündung der Flüsse eine Burg. In der Ebene unter ihr entstand eine Siedlung von Handwerkern und Händlern. Im Jahr 1185 hatte sie schon Marktrechte, denn Traberch wird damals in Urkunden als Markt mit zwei Burgen, mit der Eigentums-Kirche Sv. Vid, mit einer Brücke und Fährboot sowie mit einer Maut, aufgestellt wegen der Landesgrenze, beschrieben. Die äußerst vorteilhafte Verkehrslage begünstigte den Aufschwung von Handel und Handwerk; Verwaltungs- und Gerichtsfunktionen, angestellt in fürstlichen Anwesen, wurden gestärkt; das Marktgebiet, umgeben von einer Mauer, wurde bereist, Güter und Verkehrsmittel kamen durch das Markttor; viele Güter wurden auf der Drava befördert. Im Mittelalter wurde Dravograd zu einem der wichtigsten und größten Märkte im gesamten Drava-Tal.

Im 13. Jahrhundert begann auf der anderen Seite der Drava unter Pohorje eine Festung zu entstehen, die den Übergang vom Drava-Tal ins Mislinja-Tal schützte. Auf dem Boden der Herrschaft von Slovenj Gradec wurde das Schloss Puchenstein, das heutige Pukštajn, erbaut. Seine Ruinen stehen über der Burg Bukovje, die am Anfang des 18. Jahrhunderts wegen verheerender Brände am Fuße des Schlosses errichtet wurde. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie von damaligen Besitzern in eine barocke Burg in der Form, die heute noch größtenteils erhalten ist, umgebaut.

Im Mittelalter begannen – rund um die Filialkirchen angesammelt - auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde von Dravograd neue Siedlungen zu entstehen. Auf diese Weise wurden die Dorfkerne von Črneče, Libeliče, Trbonje und Šentjanž angelegt. Von einem Anstieg der Bewohnerzahl in der damaligen Zeit zeugen auch Kirchen, die zu religiösen Zwecken der in der Umgebung wohnenden Bauern in Vič, auf Ojstrica, bei Boštjan erbaut wurden. In den bergigen Gegenden von Košenjak, Pohorje, Selovec, Črneška gora, Libeliška gora blieben bis heute die archaischen Bauweisen der Bauernhäuser schon seit Beginn der Ansiedlung unter der Grundherrschaft zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert erhalten.

Ende des 13. Jahrhunderts begannen nach dem Aussterben der Adelsfamilie Trušenjski die Besitzer Grundherrschaft von Dravograd zu wechseln; einige Zeit waren hier auch die Grafen von Celje und die Habsburger. Die Burg spielte eine wichtige Verteidigungsrolle, denn in ihr waren 21 Kanonen positioniert. Die Ausgesetztheit der Ortschaft war noch besonders bedrohlich in der Zeit der türkischen Einfälle und in späteren Kriegen des 20. Jahrhunderts. Da war die Burg schon verlassen, denn nach Abgang der letzten Besitzer in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann sie zu verfallen. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung wurde Dravograd immer mehr modernisiert. Unter dem Markt waren ein Glaswerk und eine Schmelzerei in Betrieb, am rechten Ufer der Drava befand sich eine Schmierstofffabrik und später eine Erdölraffinerie, in Otiški vrh eine Textilfabrik.

Die Handels-, Wirtschafts- und Kulturverbindungen wurden durch den Bau des Bahnnetzwerks und durch die verbesserte Straßen-Infrastruktur sowie durch den regen Flößereiverkehr auf der Drava gestärkt; jedoch starb der letztere nach der Erbauung des Wasserkraftwerks im Jahr 1943 aus.

Von außerordentlicher Bedeutung für die Entwicklung der Gemeinde während der beiden Weltkriege war die Verlegung der Bezirkshauptmannschaft bzw. des Regionshauptsitzes nach Dravograd, doch wurde die Stimmung des neuen Verwaltungszentrums durch den drohenden Zweiten Weltkrieg getrübt; dieser brachte große Veränderungen und nach ihm einen neuen Staat mit regem Entwicklungsauftrieb. In der Zeit der Verselbstständigung von Slowenien spielten sich in diesem Raum wieder entscheidende Ereignisse ab. Dravograd ist mit seiner eigenwilligen Traditionalität schon seit jeher ein Teil des Geschehens, das typisch für den weiteren europäischen Raum ist.

Der historische Puls von Dravograd ist mit seinem Alltagsleben verflochten. Der Reichtum des Erbes und die Vielfältigkeit der Natur können das traditionelle und zeitgenössische Schaffen inspirieren. Schon im alten Stadtkern mit dem erhaltenen mittelalterlichen Marktansatz eines der ältesten Märkte in Slowenien, wo Steinmauern der Kirche Sv. Vid an das respektvolle Alter erinnern und dem edlen Kulturleben und seinem Ambiente die Patina verleihen. Oder nur an den Ruinenumrissen der Burg Stari grad auf dem Hügel über dem Markt, jetzt lediglich mit seiner Westmauer der Turms der einst mächtigen Burg. Von dort reicht der Blick auf die bewegte Landschaft, übersät mit Weilern, Kirchen und einsamen Bauernhöfen. Museale Sammlungen erzählen Ihnen die Geschichte der Ortschaften und helfen beim Entdecken der Geschichtsfragmente; eine breite Kulturpallette findet in der Burg Bukovje statt, und auf dem Land ergänzen sich ethnologische Besonderheiten mit der Gemütlichkeit.

Daten

Museale Sammlungen und einzelne Denkmäler runden die Erzählung von der eigenartigen Geschichte von Dravograd ab. Ein kurzer Überblick der Geschichte der Region wird in den Ausstellungsräumen des Auskunftsbüros gleich neben der Kirche Sv. Vid gegeben. Die typisch Kärntner romanische Kirche mit dem Ost-Glockenturm entstand ungefähr 1170, sie ist die älteste erhaltene Architektur im Stadtkern und auch unter den ältesten im slowenischen Raum. Einen besonderen Platz unter den romanischen Denkmälern nimmt auch das Beinhaus des Sv. Mihael aus dem 12. Jahrhundert ein; es steht in Libeliče am Friedhof an der Kirche Sv. Martin. Sakrale Denkmäler stellen die Zeit der Entstehung und Veränderungen, die neue Epochen brachten, dar: Die Kirchen Sv. Janez Krstnik in Šentjanž aus dem 13. Jahrhundert und Sv. Janez Evangelis aus dem 14. Jahrhundert am äußerst westlichen Rand des Markts von Dravograd; im 15. Jahrhundert entstand die Kirche Sv. Lenart in Vič. Im 17. Jahrhundert wurde unter Ojstrica die Kirche Sv. Duh errichtet. Ihre Besonderheit ist die bemalte Holzdecke mit typischen Ornamenten, was die Malkunst, die über das Marktleben hinaus bis aufs Land reichte, widerspiegelt. Die signierte und datierte Decke ist die größte erhaltene Decke in Slowenien. Eine der schönsten barocken Schöpfungen ist die Pilgerkirche Sv. Peter auf Kronska gora. Auf Libeliška gora steht am Schnittpunkt dreier Pfarren ein besonderes Dreiecks-Zeichen aus dem Ende des 18. Jahrhundert - die Kapelle Trotov križ, eines der vielen mit einer symbolischen Bedeutung der Erinnerungen, wo sie entstanden. Im ländlichen Bereich von Dravograd gehören Bergdörfer und einsame Bauernhöfe noch immer zur Schatzkammer alter Gebäude mit Wohn-und Wirtschaftscharakter in ihrer ursprünglichen Form, wie sie überliefert wurden: Bauernhäuser, Getreidespeicher, Heureuter, Scheunen, nur noch selten Mühlen und Sägewerke, einst häufig an vielen Bächen gesehen. Mancherorts leben noch altes Wissen und alte Bräuche, die seit jeher von einer Generation zur anderen überliefert wurden.

Aus der Zeit der neueren Geschichte kann man in der Burg Bukovje die Dauerausstellung zum Unabhängigkeits-Krieg aus dem Jahr 1991 in Koroška besichtigen. Die erschütternde Zeit des Zweiten Weltkriegs wird in den Kellerräumen des Gemeindehauses, wo sich Gestapo-Gefängnisse befanden, widerspiegelt. In Šentjanž bei Dravograd wird im Haus der Friedenskämpfer (Dom borcev) der bekannten slowenischen Nationalwehr-Versammlung am 7. April 1918 gedacht, wo die Maideklaration, einer der Grundsteine der slowenischen Selbstständigkeit, ausgerufen wurde.

Das Museum Koroški plebiscit in Liberliče veranschaulicht das Geschehen um die Grenze von Koroška nach dem Ersten Weltkrieg. Es steht im Pfarrhaus, dort können auch die Rauchküche und das ehemalige Klassenzimmer besichtigt werden. Die Einwohner von Liberliče stellen ihre Geschichte auch durch die ethnologische Sammlung von Bauernwerkzeugen und landwirtschaftlichen Tätigkeiten vor; besonders stolz sind sie auf die Bestrebungen nach dem Plebiszit, aufgrund deren sie im Jahr 1922 ihrem Muttervolk angeschlossen werden konnten, das ist ein Unikum in der europäischen Geschichte.

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